Gegen Ende des Jahres tritt in verlässlicher Regelmäßigkeit ein klimapolitischer Déjà-vu-Effekt ein: nach einem zweiwöchigen Verhandlungsmarathon treten abgekämpfte Delegationsteilnehmer vor die Kameras, um die Ergebnisse der VN-Klimaverhandlungen der Öffentlichkeit zu präsentieren. In einer ebenfalls wiederkehrenden Dichotomie der Urteile werden diese (zumeist von Regierungsvertretern) als Erfolg oder (zumeist von NGO-Vertretern und Journalisten) als Versagen oder Scheitern gedeutet.
Auch wenn sich die öffentliche Berichterstattung häufig stärker auf die durch solche Großereignisse erzeugte Müllmenge oder CO2-Emissionen konzentriert als auf Inhalte, sind gewisse Unzulänglichkeiten in der Zielerreichung kaum wegzudiskutieren: die Verlängerung des Kyoto-Protokolls, häufig als größter Verhandlungserfolg des letzten Gipfels in Doha bezeichnet, umfasst nach dem Ausstieg Russlands, Japans, Neuseelands und Kanadas nur noch 15% der globalen Emissionen. Und auch auf der Wirkungsebene sind die Signale verheerend: die globalen Emissionen steigen weiter und den meisten Einschätzungen zufolge ist das Zwei-Grad-Ziel kaum noch zu erreichen.
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Die Klimaverhandlungen im Wüstenemirat Katar haben keine großen Überraschungen zu Tage gebracht: Es gibt kein komplettes Scheitern, aber auch keine entscheidenden Durchbrüche. Trotz großer Differenzen sind alle Parteien am Verhandlungstisch geblieben und haben um eine Einigung gerungen. Obwohl es viele Streitpunkte gab, stellte die Verabschiedung einer zweiten Periode des Kyoto-Protokolls das Hauptproblem auf den letzten Metern der Verhandlungen dar. Insbesondere Polen wollte die vorgeschlagene Einigung nicht akzeptieren und verweigerte deshalb bis zum letzten Moment seine Zustimmung. Auch aufgrund des katarischen Gipfelpräsidenten Al-Attiyah, der den Gipfel als Gastgeber unter allen Umständen zu einem Ergebnis bringen wollte, kam in letzter Sekunde doch noch eine Reihe von Abschlusspaketen zustande. Zwar ist es positiv, dass der VN-Klimaprozess damit am Leben gehalten werden konnte - jedoch enthält das Ergebnis so viele Schlupflöcher, dass man sich fragen muss, ob es überhaupt noch etwas wert ist.
Drei Stunden später...inzwischen haben alle Kyoto-Industriestaaten der Präsidentschaft signalisiert, dass sie im Falle einer Abstimmung über den Abschlusstext zum Kyoto-Protokoll dem Text zustimmen würden.
Vor drei Stunden wurde verkündet, dass 14 Länder noch keine Zustimmung signalisiert hatten, vor einer Stunde wurde dann appelliert, dass man noch auf fünf Länder warte, kurz darauf waren es noch drei, dann hatten alle Kyoto-Staaten zugestimmt. Der COP-Präsident will damit ein Stimmungsbild einholen, dass bei einer Abstimmung die notwendige kritische Masse für eine Zweidrittelmehrheit von 128 Staaten erreicht wäre. Viele Beobachter sehen damit die Zukunft des Kyoto-Protokolls in trockenen Tüchern.
Doch selbst wenn dies so kommen sollte, gibt es noch eine Reihe an weiteren Baustellen. Eine der größten ist mit Sicherheit der Punkt Finanzierung, der momentan am heftigsten von den USA in Frage gestellt wird. Beobachter berichten, dass US-Klimabeauftragter Todd Stern bevor der Text zu Finanzierung beschlossen wurde, gesagt haben soll:
„I will block this. I will shut this down.“
Gerade eben, um 15 Uhr Ortszeit, hat COP-Präsident Al-Attiyah die Abschluss-Session mit einem knappen Tag Verspätung eröffnet. Alle Länder sollen nun nach einigen informellen Verhandlungsrunden nochmal zusammen kommen und über das von ihm vorgelegte Abschlussdokument entscheiden. Dieses besteht eigentlich aus sieben Teilen:
Scheidung wegen unüberbrückbarer Differenzen – eine gängige Erklärung, wenn Ehen scheitern. Auch in den laufenden Klimaverhandlungen deutet sich an, dass die Positionen zwischen den Verhandlungsparteien zu stark divergieren, um zu einer friedlichen Einigung zu gelangen.
Eigentlich ist es bereits seit Monaten klar, dass die Interessen der Verhandlungspartner in vielen Bereichen stark voneinander abweichen. Nun jedoch scheint die bisher mühsam zusammengehaltene polygame Ehe der 194 Länder, die schon lange tiefe Risse aufweist, allmählich ganz auseinanderzubrechen.
Ein Hauptstreitpunkt ist die Frage der Finanzierung: Obwohl Industrieländer sich verpflichtet haben, ab dem Jahr 2020 jährlich 100 Milliarden US Dollar für den Klimaschutz bereit zu stellen, haben die Verhandlungen bisher kein umfassendes Finanzierungspaket zustande gebracht, welches einen klaren Aufwuchspfad mit Zwischenzielen für den Zeitraum 2013 bis 2020 festlegt. Lediglich einzelne Länder, darunter Deutschland, haben Zahlen für die nächsten Jahre vorgelegt – der Großteil der Industrieländer ist jedoch mit leeren Taschen nach Doha gekommen. Der zweite große Konflikt, aufgrund dessen dem die Verhandlungen zu scheitern drohen, ist die Zukunft des Kyoto-Protokolls. Um dessen Umweltintegrität zu wahren, hatten Entwicklungsländer im Vorfeld drei zentrale Forderungen geäußert:
Offiziell sind es nur noch 24 Stunden bis die Verhandlungsparteien laut offiziellem Programm morgen um 18 Uhr ein gemeinsames Abschlussdokument verabschieden sollen.
Obwohl die letzten drei Nächte durchverhandelt wurden, gibt es noch viele offene Punkte – deswegen ist fraglich, wie bis morgen ein Ergebnis zustande kommen soll. Gestern und heute wurden viele Sitzungen immer wieder verschoben oder die Observer Parties aus den Verhandlungen ausgeschlossen – eigentlich ein gutes Zeichen, dass hinter verschlossenen Türen intensiv verhandelt wird. Zudem verdichten sich die Gerüchte, dass sich Gipfel wie auch schon im letzten Jahr noch 1-2 Tage länger hinziehen könnte.
Wie ist also der Stand der Dinge?
Following the UK, now other European countries have announced climate finance numbers for the post-2012 period:
Finally there is a first-mover!
The UK announced today that its climate finance will be 1,8 billion pounds over the next two years, which is a 40% increase compared to fast-start-finance levels (2010-2012). In addition, 50% of the total sum are dedicated to adaptation. This is another positive sign, as adaptation measures in average receive far less financial attention compared to mitigation.
With this step, the UK has done a lot to set a constructive tone to negotiations on finance. Hopefully, other countries will soon follow.
What about Germany for example? Greening it’s own electricity systems with the decision to phase out nuclear energy and shifting to renewables energies, but not having a comparably little amount of money for developing countries to do the same – that does not go together.
A rather cross-cutting but not less important issue for ongoing COP 18 is the question of climate finance. Several studies have shown that the need for adaptation and mitigation measures amounts to at least several hundred billion US dollar.
Therefore, developed countries agreed on providing 30 billion US Dollar as Fast-Start-Finance from 2010 till 2012 and 100 billion US Dollar from 2020 on as long-term finance. In Doha it needs to be decided, how the money has to be scaled up between 2012 and 2020 with clear numbers and a time plan. The funds are essential on the one hand to finance adaptation and mitigation measures. On the other hand, without the provision of reliable and appropriate funding by developed countries, the crisis of trust characterising negotiations will be even sharpened.
In contrast to this strong necessity, NO COUNTRY has so far put on table a concrete number for the period 2013-2015. Current contributions to climate finance amount to: ZERO.
Key finance challenges for Doha are therefore:
1) Learning from Fast-start-finance experience
Reports show that fast-start–finance has been met and that some countries even delivered more than announced. However, a great part of the money is recycled development aid (ODA). Even though there’s a clear link between development and climate policy, climate finance needs to be new and additional money.
2) Set up Pre 2020-finance
While COP 18 delegates find themselves lost in lengthy discussions, people in many countries are struggling with the impacts climate change has on their lives. Especially women are disproportionately vulnerable to the effects of natural disasters and climate change – particularly those living in poverty or in countries where their rights and socio-economic status are not equal to those of men.
Today I met with Stella Paul, an environmental journalist from India specialised on gender and climate change. While we talked, she portrayed moving fates of women in her hometown Hyderabad, where impacts of climate change drive women into sex trade. Quite often, due to droughts and repeated crop failures, men from rural areas have to migrate to other regions or cities because they lose their agricultural income. Women stay back with the challenge to care for the family. Mostly unskilled, many of them are forced into sex work.
Stella’s article can be found here: http://www.trust.org/alertnet/news/drought-drives-rural-indian-women-int...

„While our planet is burning, developed countries are still discussing if we should put out the fire or not.“
This strong statement made by Harjeet Singh from ActionAid in today’s CAN press conference symbolises quite well where we stand at the moment. The panelists statements’ made clear that even though recent research shows that with current emission patterns we will far overshoot the 2 degree target, negotiations haven’t come up with major breakthroughs yet. The experiences with a 1 degree global warming, which we already have now, give a first hint what could expect us with a 3-4 degree warming, as Aldan Meyer from the Union of Concerned Scientists stated. The impacts of climate change are not only damaging the environment but also result in major economic burdens: Hurricane Sandy for example, caused damages which sum up to 80 billion US Dollars.
However, in Meyers opinion, at this stage of negotiations, which he describes as „transition period“ between the first week’s working phase and the second week’s decision phase, a stage of phlegmatism is normal. But he also stressed that there’s still a set of unresolved issues where solutions need to be found. When ministers arrive, it is rather counterproductive to confront them with ten different options on how to solve the same issue.
Das Climate Action Network (CAN) verleiht bei den Klimaverhandlungen regelmäßig den „Fossil of the Day“-Award an Länder, die sich besonders destruktiv bei den Klimaverhandlungen verhalten.
Auch in diesem Jahr gibt es nun schon wieder eine Reihe von Ländern, die sich das Fossil aufs Kaminsims stellen dürfen:
Tag 1 der Verhandlungen (26. November 2012)
Der Award geht an: USA, Kanada, Russland, Japan und Neuseeland
Den ersten „Fossil of the Day“-Award müssen sich mehrere Länder teilen. Sie alle haben gemeinsam, dass sie sich rechtlich verbindlichen Regelungen zum Klimaschutz widersetzen. Die USA, selbst nie Teil des Kyoto-Protokolls gewesen, wollen sich nicht einmal darauf einlassen, dass es gemeinsame Anrechnungsregelungen für Emissionsminderungen gibt, um die Vergleichbarkeit der Anstrengungen zu gewährleisten. Kanada hat sich bereits aus der ersten KP-Periode verabschiedet, Japan, Russland und Neuseeland wollen einer zweiten Verpflichtungsperiode nicht beitreten. Eindeutige Fossile!
Tag 2 der Verhandlungen (27. November 2012)
Der Award geht an: die Türkei!
Obwohl das Land der viertgrößte Investor in die Kohleindustrie weltweit ist, fordert es in den Verhandlungen mehr Finanzhilfen - eine eigene Mittelzusage für die zweite Kyotoperiode wollen die Verhandler jedoch nicht machen.
Die erste Woche des Klimagipfels ist zu Ende gegangen. Die zwei Unterorgane der Klimarahmenkonvention, das „Subsidiary Body for Scientific and Technological Advice (SBSTA) und das „Subsidiary Body for Implementation“ (SBI), die gestern Abend ihre Abschlusssessions hatten, tagten bis in die frühen Morgenstunden. Das SBI, welches für die Umsetzung der Regeln der Klimarahmenkonvention und besonders für die Überprüfung der nationalen Emissionsberichte und der Finanzhilfen an Entwicklungsländer zuständig ist, konnte sich auf Beschlüsse in einigen Bereichen wie das Ziel der Erhöhung des Frauenanteils in UNFCCC-Organen verständigen. In einer Reihe von deutlich strittigeren, aber sehr bedeutenden Punkten, wie zum Beispiel die Frage nationaler Anpassungspläne oder die Frage nach dem Umgang mit „Loss and Damage“, also durch den Klimawandel entstandene Schäden, die nicht mehr rückgängig gemacht werden, gab es keine Einigung. Diese werden nun nächste Woche den Verhandlungsparteien zur Beratung vorgelegt – in der Hoffnung, dass es einen Abschluss gibt. Auch im SBSTA, welches die Vertragsparteien in wissenschaftlichen und technologischen Fragen berät, gab es strittige und weniger strittige Punkte, für die ein Entwurf vorgelegt wurde. In kritischen Bereichen wie dem Umgang mit den Emissionen aus Entwaldung (REDD+) oder dem Bereich Landwirtschaft, konnte keine Einigung gefunden werden.
Es sind zwar noch keine bahnbrechenden Erfolge in Sachen Klimaschutz zu vermelden, aber immerhin hat der Klimagipfel in Katar heute morgen zu einem historischen Moment geführt:
Die allererste Demonstration, die das Land jemals gesehen hat !

Mit knapp 500 Teilnehmern war die Demo im Vergleich zu dem, was an Aktionen in Durban, Cancun oder Kopenhagen veranstaltet wurde, eher unscheinbar – trotzdem war sie laut den Veranstaltern die größte Umweltdemo, die es jemals in der arabischen Welt gegeben hat.
Bereits im Vorfeld war es sehr umstritten in der internationalen NGO-Szene, ob es besser wäre, die Bedingungen der katarischen Regierung zu akzeptieren und zu hoffen, dass dies eine langsame Öffnung im Land bewirkt, oder die Demonstration zu boykottieren, um nicht in die Falle zu tappen, ein tolerantes und weltoffenes Bild des Landes zu vermitteln, das jedoch leider nicht der Realität entspricht.
Beim COP-Gastgeber Katar haben wir es nicht nur mit dem höchsten Pro-Kopf-Emittenten von CO2 zu tun, sondern auch mit einem der reichsten Länder der Welt. Diese Verbindung von Öl-Reichtum, Ressourcenausbeutung und Umweltverschmutzung spiegelt sich auch im Stadtbild von Doha wieder: Breite Straßen und große Karossen, keine Fußgängerwege, dafür neue Gebäude und Baustellen, die wie Pilze aus dem Boden schießen.
Dieser Reichtum ist auch deswegen möglich, da er auf der systematischen Ausbeutung von ArbeitnehmerInnen und besonders Migrantinnen beruht, wie Sharan Burrow, Generalsekretärin des Internationalen Gewerkschaftsbundes (ITUC) heute bei einem Treffen mit Gewerkschaftern und Migrantenarbeitern in Doha feststellte: „This is the wealthiest economy in the world, built on the back of migrant workers.“
Noch bevor der Gipfel überhaupt angefangen hatte, war schon klar, dass nichts dabei herauskommen wird. Zumindest, wenn man den Medien Glauben schenkt: „Politisch kaum durchsetzbar“ sagt die Frankfurter Rundschau, „Wenig Erfolgschancen vor dem Weltklimagipfel“ prognostiziert die FAZ, über eine „Schlittschuhbahn mitten in der Wüste“ empört sich die Bildzeitung. Richtig, Katar ist nicht unbedingt ein Gastgeber, der sich in der Vergangenheit durch sein klimapolitisches Engagement bei den Verhandlungen einen Namen gemacht hat. Und es ist richtig, dass wir es hier nicht unbedingt mit einer Präsidentschaft zu tun haben, die durch eine inhaltlich positiv besetzte politische Agenda auffällt. Dennoch würde es dem Gipfelgeschehen gut tun, wenn Ergebnisse nicht kleingeredet werden, bevor sie überhaupt die Chance bekommen, zu entstehen. Denn, wie „Die Zeit“ ganz treffend schreibt: „Die Klimakonferenzen sind eine Veranstaltung der Vereinten Nationen. Alle Mitgliedsstaaten sitzen am Tisch. Das bedeutet, dass am Ende oft nur der kleinste gemeinsame Nenner steht. Es heißt aber auch, dass es das beste Forum ist, um das globale Problem des Klimawandels anzugehen.“
Trotz vieler Rückschläge liegen auf der EU immer noch große Hoffnungen, dass diese als Vorreiter die Verhandlungen in Doha voranbringt. Bisher waren die Vorzeichen eher enttäuschend: Obwohl die Emissionsreduktionen der EU im Jahr 2011 bereits bei 20,7% im Vergleich zum Referenzjahr 1990 lagen, konnte diese sich lediglich auf ein 20%-Reduktionsziel für 2020 verständigen. Das bedeutet, dass sich die Mitgliedstaaten die nächsten acht Jahre zurücklehnen können und keine weiteren Emissionen einsparen müssen.
Nun gibt es erstmals wieder einen kleinen Hoffnungsschimmer: das Europäische Parlament hat am 22. November mit deutlicher Mehrheit eine fraktionsübergreifende Resolution zur UN-Klimakonferenz in Doha angenommen. In der Resolution werden unter anderem folgende Punkte gefordert:
„Klimaschutz in der Wüste? Erwartungen an den Klimagipfel in Katar“ - unter diesem Titel wurden am 06. November bei einer gemeinsamen Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung, Germanwatch und Brot für die Welt die Herausforderungen für den anstehenden Klimagipfel diskutiert. Klar ist, dass die Konferenz in Katar einen kritischen Wendepunkt in den internationalen Klimaverhandlungen markiert, da viele Verhandlungspunkte nach jahrelanger Arbeit voraussichtlich zum Abschluss gebracht werden können. Dazu gehören auch die Verabschiedung einer zweiten Kyoto-Verpflichtungsperiode und die Festlegung eines Verhandlungsmandats für ein neues globales Klimaabkommen (zu den Herausforderungen in Katar siehe auch Blogbeitrag vom 01. November 2012).
Auf dem Weg dorthin müssen jedoch noch viele offene Fragen geklärt und Einigungen in kritischen Punkten herbeigeführt werden. Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung spielt dabei auch eine wichtige Rolle, in welcher Form sich die Akteure und Verhandlungsparteien in diesem Jahr zu Bündnissen und Allianzen zusammen finden werden und welche Initiativen von wichtigen Akteuren zu erwarten sind.
Welche Rolle spielt Katar als Gastgeber?
Vom 26. November bis zum 07. Dezember 2012 findet die 18. Klimakonferenz der Vereinten Nationen, in Doha, Katar, statt. Diese kann als klimapolitische Gezeitenwende verstanden werden, da die bisherige Trennung der Verhandlungsstränge zwischen Industrie- und Entwicklungsländern aufgehoben werden soll.
Bisher fanden die Klimaverhandlungen in zwei Arbeitsgruppen statt: Die erste Gruppe, die „Ad Hoc Working Group on Further Commitments for Annex I Parties under the Kyoto Protocol“ (AWG-KP) umfasst die Annex I Staaten des Kyoto-Protokolls (Industrieländer). In dieser Arbeitsgruppe werden die Emissionsminderungsverpflichtungen von Kyoto-Industrieländern nach dem Auslaufen des Kyoto-Protokolls 2012 verhandelt. Die zweite Gruppe, die „Ad Hoc Working Group on Long-term Cooperative Action (AWG-LCA), vereint alle 194 Länder, die die Klimarahmenkonvention (United Nations Framework Convention on Climate Change – UNFCCC) unterzeichnet haben. In dieser Gruppe spielen also Länder eine zentrale Rolle, die nicht der AWG-KP angehören, also Entwicklungsländer sowie Nicht-Kyoto-Industrieländer (seit der Ratifizierung Russlands 2004 und Australiens 2007 sind dies nur noch die USA beziehungsweise seit neuestem Kanada, die kurz nach dem letzten Klimagipfel in Durban im Dezember 2011 vorzeitig aus dem Protokoll ausgestiegen sind, sowie bald wieder Japan und Russland, die bereits verkündeten, nach dem Auslaufen der ersten Verpflichtungsperiode nicht mehr dabei sein zu wollen).
Die IG Metall fordert ein neues Konjunkturpaket gegen den drohenden wirtschaftlichen Abschwung. Dieses müsse vor allem auf die Energiewende zielen, schreibt Gewerkschafts-Chef Berthold Huber in einem Gastbeitrag für die „Financial Times Deutschland“ (Montag, 29.10.2012). Konkret schlägt Huber unter anderem Sonderabschreibungen für ökologische Investitionen und die Einrichtung eines Investitionsfonds bei der Förderbank KfW vor, der die Eigenkapitalbasis von mittelständischen Unternehmen stärken soll. Sinnvoll sei es zudem, den Kauf energieeffizienter Haushaltsgeräten oder der energetischen Gebäudesanierung steuerlich zu begünstigen. Außerdem forderte Huber ein bildungspolitisches Sonderprogramm, das den Städten und Gemeinden Sonderinvestitionsmittel in Höhe von 100 Euro pro Einwohner zur Verfügung stellen soll - diese Gelder sollen ausschließlich in Schulen und Wissenschaft fließen. Um dies zu finanzieren, plädiert Huber für eine Vermögenssteuer von zwei Prozent, eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf 49 Prozent und eine höhere Erbschaftssteuer. Zudem sollten Kapitaleinkünfte den allgemeinen Steuerbedingungen unterliegen.
Die globale Erwärmung ist in aller Munde. Kaum vergeht ein Tag, an dem wir nicht mit neuen Schreckensnachrichten konfrontiert werden - seien es wissenschaftliche Studien, welche die unaufhaltsam voranschreitende globale Erwärmung dokumentieren oder Massenmedien wie Bild-Zeitung, Welt, oder Berliner Zeitung die vor ein paar Monaten unisono verkündeten: „Die Menschheit braucht bald zwei Planeten.“
In der Tat ist es ebenso richtig wie erschreckend, dass der weltweite Ressourcenverbrauch und die CO2-Emissionen und damit die globale Erwärmung ansteigen. Zudem wird zunehmend deutlich, dass wir Menschen, genauer gesagt unser Extraktivismus, Teil des Problems sind: Allein im 20. Jahrhundert ist die Wirtschaft global um das 14-fache gewachsen, der Energieverbrauch hat sich versechzehnfacht, die Produktion ist um das 40-fache gestiegen. Doch das ist nur ein Teil des Puzzles: Phänomene wie Landnutzungsänderungen, die Versauerung der Ozeane, der Verlust von Biodiversität oder sich verknappende Wasserressourcen tragen ebenfalls dazu bei, dass wir uns den Grenzen des sicheren Handlungsraums für die Menschheit nähern. Doch warum sprechen wir in erster Linie über den Klimawandel, wenn doch die Überschreitung der übrigen ‚planetarischen Grenzen‘ ein mindestens genauso großes Problem darstellt?
Historically climate policy has not addressed the gender dimension of climate change. This is all the more problematic as the impacts of climate change are different for women and men, with women likely to bear the greater burden in situations of poverty.
Therefore it is important that women’s voices are heard and their priorities supported as part of climate justice. In many countries and cultures, women are at the forefront of living with the reality of the injustices caused by climate change. They are critically aware of the importance of climate justice in contributing to the right to development being recognized and can play a vital role as agents of change within their communities.
On Monday, 24th September 2012, on the side-lines of the 67th United Nations General Assembly in New York, twenty international leaders agreed an action plan to secure a new agreement on women’s participation at COP18 to take place this November. This commitment was made at a meeting of high level leaders, known as the Troika+ of Women Leaders on Gender and Climate Change.
A ground-breaking protocol has just been signed between the Italian trade unions and the Italian Ministry of Environment. The agreement is based on the common understanding that the environment can provide - through policies inspired by sustainable development - an opportunity for economic growth and employment on the whole national territory, and in particular in the South.
Against the background of Italy’s economic problems the protocol offers a chance to combine the fight both against economic and environmental downturn and to create new jobs in green sectors. Amongst others, it includes the commitment to define a second ‘youth employment plan’ aimed at achieving by 2013, at least 60,000 additional jobs for young people in environmental protection fields ; a commitment to support industrial policies in the field of research and implementation of new technologies to improve energy efficiency, curb emissions and boost renewables and distribution networks and more.
Three weeks later Rio+20 has left us behind with empty conference rooms, 60 tons of garbage and the bitter taste of a disappointing final declaration.
As a result, scientists, politicians and activists worldwide doubt once again that such an event is the right forum to come up with solutions setting the path for sustainable development worldwide. In the center of the critique are the United Nations, which as the WBGU says, are currently not able to push forward the urgently needed transformation to a sustainable society. This „Zero“-Performance stands in stark contrast to the real proceedings which are already in full swing: In Rio for example, 50 developing countries in cooperation with private enterprises have committed themselves to ambitious sustainability initatives in the energy sector.
Die Rio+20 Konferenz ist zu Ende, bevor sie überhaupt begonnen hat. Gestern Abend haben sich die Delegationen bereits vor Beginn der offiziellen Konferenz in Vorverhandlungen auf den enttäuschenden Textentwurf der brasilianischen Regierung geeinigt, der nun in den kommenden drei Tagen von den Staats- und Regierungschefs verabschiedet werden wird.
Es gibt kaum noch Hoffnung, dass das ein oder andere mutige Vorreiterland die Diskussion nochmal öffnet und sich auf einen inhaltlichen Kampf mit den Bremsern und den brasilianischen Gastgebern einlassen wird. Dieses Verhalten ist schwer nachvollziehbar: zum einen gibt es nicht viel zu verlieren, da das Ergebnis in der jetzigen Form so gut wie wertlos ist. Zum anderen ist es aus verhandlungstaktischer Sicht vollkommen absurd, der Strategie eines Mitspielers nachzugeben, noch bevor man selbst überhaupt einen einzigen Spielzug unternommen hat.
Doch was steckt dahinter? Auch wenn die Hoffnungen auf ein gutes Ergebnis bereits im Vorfeld gering waren, so ist es doch ein Schock, dass das Scheitern der Konferenz nicht einmal die Folge intensiver Debatten, ideologischer Kämpfe und nicht zu vereinbarender Interessen darstellt. Noch schlimmer: In friedlicher Einigkeit einigen sich die Verhandlungspartner, dass man nichts erreichen möchte.
So langsam wird es ernst: Nach langen Monaten zäher Vorverhandlungen und mühsamer Arbeit am Entwurf des Verhandlungstextes „The Future We Want“ wird es nun Zeit, Entscheidungen zu treffen. Ab morgen werden die angereisten Ministerinnen und Minister aus über 100 Staaten in Rio de Janeiro darüber debattieren, wie ein nachhaltiges Entwicklungsmodell für unsere Erde aussehen könnte. Damit steht nichts weniger auf dem Spiel als die Zukunft von knapp 7 Milliarden Menschen, deren Nachkommen und des Planeten, auf dem sie leben.
In den vergangenen Tagen wurde intensiv um die geplante Abschlusserklärung gerungen, bis der Gastgeber Brasilien schließlich letzte Nacht einen Entwurf vorgelegt hat. Doch ein Blick auf den nun knapp 50-seitigen Text legt den Verdacht nahe, dass damit ein Ergebnis um jeden Preis erzielt werden soll – will doch die brasilianische Regierung unter allen Umständen verhindern, dass die UN-Konferenz für Nachhaltige Entwicklung ähnlich wie die gescheiterten Klimakonferenzen in Dänemark und zuletzt Südafrika als großer Misserfolg in die Geschichte eingeht. Letztere machten als „Brokenhagen“ beziehungsweise „COP - Conference of Polluters“ von sich reden und gaben den Gastgebern keine Gelegenheit, sich als internationaler Deal-Maker zu präsentieren. Und verständlicherweise möchte Brasilien lieber durch die Wiederbelebung des Multilateralismus von sich reden machen, als wie zuletzt durch den Streit um das Waldschutzgesetz Codigo Florestal.
In 6 days, the United Nations Conference on Sustainable Development, known as Rio+20, will start. Hopes are low that countries will agree on a concrete and binding final declaration. Intense debates in the past months on the draft of „The Future We Want“, the conference outcome document, have shown that there’s not much ground for consensus.
Shortly before the conference begins, only 70 paragraphs out of a total of 329 in the latest draft declaration have been agreed on and it became clear that the interests and expectations of civil society actors on the one hand and political decision makers on the other vary considerably. Up to present, none of the proposals on table has found a consensus, nor the Green Economy Roadmap, neither the reform of UNEP or the Commission on Sustainable Development (CSD), nor the Sustainable Development Goals (SDGs).
For quite some time trade unions have been experienced as the big, clumsy elephant in public debates on sustainable development. Especially in the perception of environmental activists, trade unions seemed to be responsible for slowing down climate negotiations by insisting on labour rights or hindering the development of sustainable energy systems by defending subsidies for fossile energies in order to preserve jobs. This resulted for a long time in parallel movements with regards to sustainable development – trade unions on one and the environmental community on the other side.
Even though there are still many reservations, increasing rapprochement can be observed, as Achim Steiner, Executive Director of the United Nations Environment Programme (UNEP) noticed at the Second Trade Union Assembly on Labour and the Environment from 11-13 June in Rio de Janeiro: „What has changed since the first Rio conference in 1992 is that labour movement and environmental community have begun a dialogue on the future of our economies.“







