‘Sustainability’ is a word rarely understood correctly in Russia. Still, one has to remain optimistic when dealing with such a hopeless matter, as Russian environmentalists claim.
Nachhaltigkeit und Demokratie
Nachhaltigkeit als gelebte Demokratie
Für die einen ist sie moralische Pflicht, für die anderen bloßes Mittel zum Zweck. Wieder andere sehen in ihr eine Gefahr für Freiheit und Demokratie. Letztlich ist Nachhaltigkeit vor allem eins: zutiefst politisch.
Dass der Begriff der Nachhaltigkeit trotz aller Kritik große Wirkmächtigkeit erlangt hat, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass ihm im Rahmen verschiedener öffentlich ausgetragener Debatten zunehmend die Macht zugeschrieben wird, einen ernst zu nehmenden Einfluss auf Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie als die großen Errungenschaften unserer Zeit auszuüben. So vermuten einige hinter Nachhaltigkeit das Codewort einer Avantgarde, die darauf zielt, nicht nur die Freiheit der Menschen heute, sondern auch die der zukünftigen Generation mit dem Verweis auf eine wissenschaftlich bewiesene Notwendigkeit einzuschränken und damit die Demokratie, verstanden als Volkssouveränität, gleich mit abzuschaffen. Andere wiederum betonen Nachhaltigkeit als Voraussetzung für Gerechtigkeit und ein selbstbestimmtes Leben.
Interessant an diesen Kontroversen sind jedoch nicht in erster Linie die sich entlang der klassischen Konfliktlinien vollziehenden Kämpfe um Bedeutung und Reichweite von Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit im Kontext nachhaltiger Entwicklung. Entscheidend ist viel mehr, dass in diesen Kämpfen und dem Rückbezug auf klassische Fronten eines überdeutlich wird: Nachhaltigkeit ist zutiefst politisch. Statt also Nachhaltigkeit und Demokratie gegeneinander auszuspielen oder sie auf eine Zweck-Mittel-Beziehung zu reduzieren, die keinem der Konzepte gerecht wird, muss es vielmehr darum gehen, anzuerkennen, dass sich an der Idee der Nachhaltigkeit längst jener notwendigerweise machtbasierte, immer nur temporär zur Ruhe kommende Streit vollzieht, den wir Demokratie nennen. Denn Nachhaltigkeit kann gerade nicht an die Stelle einer geschlossenen Ideologie treten, aber sie kann jene Idee sein, auf die wir uns als Grundlage unserer Gesellschaft einigen, um deren Umsetzung und konkrete Gestalt wir jedoch streiten.
Das aber heißt nicht, dass die Forderung, Nachhaltigkeit zum Leitbild unserer Gesellschaft zu machen, illegitim oder gar undemokratisch ist. Denn allen begrifflichen Schwierigkeiten zum Trotz ist Nachhaltigkeit als zentrales handlungsleitendes Prinzip nicht zu umgehen, wenn nicht nur zukünftige Generationen, sondern bereits heute Teile der Weltbevölkerung in ihrem Recht auf ein menschenwürdiges Leben nicht beschnitten werden sollen. Gleichzeitig muss jedoch anerkannt werden, dass „eine Definition, was nachhaltige Entwicklung meint, nicht nur eine Frage des Blicks, sondern auch eine Frage von Einfluss [ist]. Es gibt kein Rezept, Nachhaltigkeit ist ein Prozess, auf den sich eine Gesellschaft verständigen muss.“[1]
Eben dieses Verständigungshandeln zu fördern und dazu anzuregen, die Wahrheits‑ und Rationalitätsmaßstäbe ebenso kontinuierlich zu hinterfragen wie die Machtstrukturen, die notwendigerweise hinter den großen Diskursen einer Zeit stehen und untrennbar mit diesen verwoben sind, ist Ziel des Nachhaltigkeitsportals.
[1] Bildung für die Zukunft – von Anfang an, von Farid Gardizi. Deutsche UNESCO-Komission e.V., Juni 2009, http://www.unesco.de/uho_0609_bne.html?&L=0 [10.1.2012]






