Nachhaltiges Wirtschaften

Green Economy – ein nachhaltiges Konzept?

Als neues globales Wirtschaftsparadigma will das Konzept der Green Economy einer nachhaltigen Entwicklung zum Durchbruch verhelfen. Doch seine soziale Kompetenz muss das Konzept erst noch beweisen.

Auf der Suche nach nachhaltigen Wirtschafts- und Entwicklungsmodellen treten das Konzept der „Green Economy“ und – darauf aufbauend – die Idee eines weltweiten „Green New Deals“ zunehmend an die Stelle des Leitbildes nachhaltiger Entwicklung. Doch während das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) Green Economy als eine Wirtschaftsweise definiert, „die menschliches Wohlbefinden steigert und zu mehr sozialer Gerechtigkeit führt, während sie gleichzeitig Umweltrisiken und ökologische Knappheit erheblich verringert“, bezweifeln viele, dass das Green Economy-Konzept der umfassenden Idee einer nachhaltigen Entwicklung gerecht wird.

Vor allem Entwicklungs- und einige Schwellenländer sowie zivilgesellschaftliche Gruppen weltweit stehen dem Konzept der Green Economy skeptisch gegenüber. Die zentralen Gefahren sehen Kritiker zum einen in einer mangelnden Differenzierung des Konzepts. Vor allem wirtschaftlich schwache Länder fürchten, dass ihnen ein one size fits all-Modell übergestülpt werden könnte, das den Interessen der reichen Länder dient, ihre eigenen Bedürfnisse dagegen unberücksichtigt lässt. Zum anderen werden zunehmend Stimmen laut, die dem Green Economy-Ansatz vorwerfen, das Leitbild nachhaltiger Entwicklung umwelt-ökonomisch zu verkürzen und die soziale Dimension nicht ausreichend zu berücksichtigen. Außerdem wird befürchtet, ein Green New Deal könne seitens der Industrienationen für die Errichtung eines neuen, „grünen“ Protektionismus missbraucht und zu einer ökologisch begründeten Konditionalisierung finanzieller Unterstützung genutzt werden.

Aber auch verschiedene Akteure aus Industrienationen stehen der Herausforderung eines umfassenden Strukturwandels nicht ausschließlich positiv gegenüber, wobei die Konfliktlinie quer durch Industrie, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik verläuft. Gespeist wird diese Skepsis von der Ungewissheit hinsichtlich der Konkurrenzfähigkeit auf einem „grünen“ Weltmarkt, vor allem aber von der Angst vor dem Verlust von Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätzen und einer Verschärfung sozialer Ungerechtigkeiten.

Die FES setzt sich kritisch mit dem Konzept der Green Economy als nachhaltiges Gesellschafts- und Entwicklungsmodell auseinander. Im Dialog mit Schwellen- und Entwicklungsländern und unter Einbeziehung zivilgesellschaftlicher Akteure erarbeiten wir Strategien, wie der Übergang zu klimafreundlichen Low Carbon-Economies im Sinne eines „grünen Aufschwungs“ sowohl innergesellschaftlich als auch auf globaler Ebene sozial gerecht gestaltet werden kann. Dabei geht es nicht darum, ein einheitliches Rezept für die Überwindung der bestehenden Strukturprobleme zu finden. Vielmehr sollen gemeinsame Fragen und Herausforderungen identifiziert werden, um auf deren Grundlage Modelle zu entwickeln, die sich an den wirtschaftlichen Strukturen und den politischen und sozio-ökonomischen Prozessen der jeweiligen Länder orientieren und deren Grad und Charakter der Einbindung in globale Prozesse berücksichtigen.

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Studienreihe Green Growth in Mittel- und Osteuropa

Grünes Wachstum und Nachhaltige Entwicklung

 

Strategien nachhaltigen ökonomischen Wachstums für Mittel- und Osteuropa

 

Umwelttechnologien, wie Technologien für die effektive Nutzung erneuerbarer Energien, Recyclingtechnologien oder umweltfreundliche Transporttechnologien, werden zunehmend als treibende Kraft für zukünftiges und zukunftsfähiges Wirtschaftswachstum gesehen – Grünes Wachstums. Doch trotz bescheidener Fortschritte in den letzten Jahren, basiert das ökonomische Wachstum in Mittel- und Osteuropa weiterhin auf einer sehr ressourcenintensiven Wirtschaftsweise. Obwohl politische Entscheidungsträger sich der drohenden ökologischen Probleme zunehmend bewusst sind, hat es sich als schwierig erwiesen, das langfristige Ziel ökologischer Nachhaltigkeit mit dem Druck zur Bearbeitung kurzfristiger sozialer Spannungen und der weiterhin bestehenden Herausforderung, gegenüber Westeuropa aufzuholen, in Einklang zu bringen.

 

Vor diesem Hintergrund hat die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) Länderanalysen in Auftrag gegeben, die sich mit Umweltfragen und dem politischen Umgang mit dem Klimawandel befassen. Mit der Studienreihe untersucht die FES Möglichkeiten ökonomischer Entwicklungsstrategien, die die Ressourcenintensivität des bestehenden Wirtschaftsmodells überwinden und gleichzeitig ausreichend Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen, um soziale Nachhaltigkeit sicherzustellen. Wie ist es um die Energieeffizienz des jeweiligen Landes bestellt? Wo finden sich die größten Potentiale für kurz- und mittelfristige Energieeinsparungen und CO2 –Emissionsreduktionen? Welche Wirtschaftssektoren bieten das Potential für grünes Wachstum und grüne Jobs? Welches sind die zentralen wirtschaftlichen Hürden auf dem Weg hin zu einer low carbon-Ökonomie? Welche politischen Regulierungen müssen durchgesetzt werden, um Energieverschwendung und Ressourcenineffizienz möglichst schnell zu reduzieren?

 

Auf diese und andere Fragen geben die Analysen Antworten. Die FES möchte damit einen Beitrag dazu leisten, Grüne Wirtschaften aufzubauen, die sowohl ökologisch nachhaltig als auch sozial inklusiv sind.

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