Noch zwei Jahre nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima können Hunderttausende Menschen nicht in ihre Häuser zurückkehren.
Nachhaltiges Wirtschaften
Green Economy – ein nachhaltiges Konzept?
Als neues globales Wirtschaftsparadigma will das Konzept der Green Economy einer nachhaltigen Entwicklung zum Durchbruch verhelfen. Doch seine soziale Kompetenz muss das Konzept erst noch beweisen.
Auf der Suche nach nachhaltigen Wirtschafts- und Entwicklungsmodellen treten das Konzept der „Green Economy“ und – darauf aufbauend – die Idee eines weltweiten „Green New Deals“ zunehmend an die Stelle des Leitbildes nachhaltiger Entwicklung. Doch während das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) Green Economy als eine Wirtschaftsweise definiert, „die menschliches Wohlbefinden steigert und zu mehr sozialer Gerechtigkeit führt, während sie gleichzeitig Umweltrisiken und ökologische Knappheit erheblich verringert“, bezweifeln viele, dass das Green Economy-Konzept der umfassenden Idee einer nachhaltigen Entwicklung gerecht wird.
Vor allem Entwicklungs- und einige Schwellenländer sowie zivilgesellschaftliche Gruppen weltweit stehen dem Konzept der Green Economy skeptisch gegenüber. Die zentralen Gefahren sehen Kritiker zum einen in einer mangelnden Differenzierung des Konzepts. Vor allem wirtschaftlich schwache Länder fürchten, dass ihnen ein one size fits all-Modell übergestülpt werden könnte, das den Interessen der reichen Länder dient, ihre eigenen Bedürfnisse dagegen unberücksichtigt lässt. Zum anderen werden zunehmend Stimmen laut, die dem Green Economy-Ansatz vorwerfen, das Leitbild nachhaltiger Entwicklung umwelt-ökonomisch zu verkürzen und die soziale Dimension nicht ausreichend zu berücksichtigen. Außerdem wird befürchtet, ein Green New Deal könne seitens der Industrienationen für die Errichtung eines neuen, „grünen“ Protektionismus missbraucht und zu einer ökologisch begründeten Konditionalisierung finanzieller Unterstützung genutzt werden.
Aber auch verschiedene Akteure aus Industrienationen stehen der Herausforderung eines umfassenden Strukturwandels nicht ausschließlich positiv gegenüber, wobei die Konfliktlinie quer durch Industrie, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik verläuft. Gespeist wird diese Skepsis von der Ungewissheit hinsichtlich der Konkurrenzfähigkeit auf einem „grünen“ Weltmarkt, vor allem aber von der Angst vor dem Verlust von Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätzen und einer Verschärfung sozialer Ungerechtigkeiten.
Die FES setzt sich kritisch mit dem Konzept der Green Economy als nachhaltiges Gesellschafts- und Entwicklungsmodell auseinander. Im Dialog mit Schwellen- und Entwicklungsländern und unter Einbeziehung zivilgesellschaftlicher Akteure erarbeiten wir Strategien, wie der Übergang zu klimafreundlichen Low Carbon-Economies im Sinne eines „grünen Aufschwungs“ sowohl innergesellschaftlich als auch auf globaler Ebene sozial gerecht gestaltet werden kann. Dabei geht es nicht darum, ein einheitliches Rezept für die Überwindung der bestehenden Strukturprobleme zu finden. Vielmehr sollen gemeinsame Fragen und Herausforderungen identifiziert werden, um auf deren Grundlage Modelle zu entwickeln, die sich an den wirtschaftlichen Strukturen und den politischen und sozio-ökonomischen Prozessen der jeweiligen Länder orientieren und deren Grad und Charakter der Einbindung in globale Prozesse berücksichtigen.






